Publikation



Nutzung von Routinedaten der Sozialversicherung zur Abschätzung beruflicher Gesundheitsrisiken


Hintergrund
Um etwaige berufliche Gesundheitsrisiken zu untersuchen, bietet sich eine Überprüfung an, ob bestimmte Berufe bei bestimmten Erkrankungen eine erhöhte Prävalenz aufweisen. Da die flächendeckende Erhebung solcher Daten sehr aufwändig ist, haben wir versucht, Routinedaten der Sozialversicherung für diese Zwecke zu nutzen. Als Indikator für Erkrankungen verwenden wir dabei die Inanspruchnahme von Reha-Leistungen der Deutschen Rentenversicherung.

Material und Methoden
Während bei Krankenkassen oder Kassenärztlichen Vereinigungen aufgrund der Zersplitterung in viele Einrichtungen kaum flächendeckende Daten über Erkrankungen zu erhalten sind, besteht beim Forschungsdatenzentrum der Rentenversicherung (FDZ-RV) die Möglichkeit, eine repräsentative Stichprobe der Rehabilitanden des Jahres 2006 zu erhalten. Neben den Reha-Diagnosen nach ICD-10 umfassen die Daten auch den vierstelligen Berufsklassenschlüssel (BKS) der zuletzt ausgeübten Tätigkeit.

Im Statistikangebot der Bundesagentur für Arbeit sind die sozialversicherungspflichtig Beschäftigten nach Berufen bzw. Berufsordnungen (dreistelliger Berufsklassenschlüssel) quartalsweise als download erhältlich. Zusätzlich haben wir uns als (kostenpflichtige) Sonderauswertung die Berufsklassen nach Alter und Geschlecht aufschlüsseln lassen, um die Grundlage für entsprechende Adjustierungen zu erhalten.

Auf Grundlage der Daten des Juni 2006 konnten wir so anhand des dreistelligen Berufsklassenschlüssels die absoluten und relativen Häufigkeiten der Berufsgruppen für Rehabilitanden und sozialversicherungspflichtig Beschäftigte ermitteln und gegenüberstellen. Der Quotient dieser Häufigkeiten ergibt dann das relative Reha-Risiko.

Ergebnisse
Für 282 Berufsgruppen mit jeweils mindestens 10 Reha-Fällen konnte das relative Reha-Risiko bestimmt werden. Das höchste Reha-Risiko haben dabei Berufe aus dem Bergbau und gering Qualifizierte (z.B. Bauhilfsarbeiter); das niedrigste höher Qualifizierte wie z.B. Juristen, Ingenieure und Naturwissenschaftler.

Diskussion
Bei der Bewertung der Ergebnisse müssen aber auch sozialversicherungsrechtliche (z.B. geringfügig Beschäftigte) und branchenspezifische (z.B. Alters- und Geschlechtstruktur der Beschäftigten) Besonderheiten berücksichtigt werden; entsprechende Adjustierungen stehen noch aus. Zudem wird nicht jedem Erkranktem eine Reha-Maßnahme bewilligt, so dass es sich hier um einen indirekten Zugang zum Geschehen handelt. Dennoch lassen sich aus den Routinedaten interessante Schlüsse ziehen.



Autor/en

Rainer Kaluscha

Erschienen in

Schmücker P, Ellsässer KH, Hayna S: 55. GMDS-Jahrestagung - Effiziente und wirtschaftliche Gesundheitsversorgung von heute und morgen - nur mit Medizinischer Dokumentation, Medizinischer Informatik, Medizinischer Biometrie und Epidemiologie. Antares-Computer-Verlag, Dietzenbach (2010).

Schlagworte:

Berufe; Risiko; Erkrankungen



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Letzte Änderung: 4.11.2010